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Von selbst auferlegten Ansprüchen und der gemeinen Realität

Leben als Mutter

Eigentlich sollte hier nun ein Rückblick über unsere Woche zu lesen sein und eigentlich hätte am Freitag schon ein Artikel über unser Babyalbum erscheinen sollen. Ja, eigentlich. Stattdessen schreibe ich jetzt spontan einen Artikel über das Mami-Dasein, über Ansprüche an sich selbst und das Kreuz mit der Realität. Genau genommen ist es eher ein Auskotzen, denn manchmal muss das einfach sein. Auch wenn ich mich dann gleich wieder frage, ob das überhaupt ok ist. Sollte ich nicht selig strahlend abends auf meinem Sofa sitzen und dem guten Mann da oben für meine Familie danken? Stattdessen sitze ich nun hier, bin müde und gereizt und habe diese Woche gleich 2 Artikel nicht geschafft (von dem Berg Bügelwäsche mal ganz abgesehen).

Du Al, ich Peggy Bundy!!

Seien wir ehrlich, ich wäre gerne Martha Stewart, bin aber eher Peggy Bundy, so schaut´s aus. Ich würde gerne schon morgens freudestrahlend aus dem Bett springen, mir ratzfatz ein perfektes Make Up auflegen und mal kurz vormittags das bißchen Haushalt erledigen. Natürlich hätte ich dann auch pünktlich zum Mittag ein außergewöhnliches Menü gekocht, zwischendrin das Bubele gewickelt, bespaßt, ausgefahren und in diversen Mamagruppen mit PEKIP und Pikler gefördert. Abends würde ich gerne in meinem feinsten Zwirn und frisch gepudert Chris schon an der Tür begrüßen, auf High Heels natürlich und mit perfekt sitzender Frisur. Ich dachte immer wir bekommen die perfekt Arbeitsteilung hin, Chris geht arbeiten und unterstützt mich abends und ich habe tagsüber den Großteil zuhause erledigt und was gekocht.
Fakt ist aber, dass ich morgens mit tiefen Augenringen und im Tempo einer Hundertjährigen aufstehe, weil ich nachts mehrfach das Bubele gefüttert habe. Die Bügelwäsche stapelt sich seit …ahm, weiß ich schon gar nicht mehr und wird regelmäßig verschämt im Kinderzimmer versteckt, sobald Besuch kommt. Make Up lege ich nur auf, wenn ich auch sicher das Haus verlasse und mindestens in ein hippes Kölner Café gehen werde und gekocht wird abends, wenn das Bubele im Bett ist und Chris` Magen nach einem langen Arbeitstag schon bei den Nachbarn im Erdgeschoss anklopft.
Ich gebe zu, wir schaffen es einfach nicht. Wir werden unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht, so gerne wir auch ein perfekter Partner, Vater und Mutter wären. Auch Chris kommt mittlerweile an sein Limit, Vollzeitjob,  anspruchsvolles Baby, Hausarbeiten – seit Joschis Geburt betreiben wir systematisch Schadenbegrenzung.

Was machen die denn schon den ganzen Tag?

Ich muss gestehen, dass ich so Eine war. Eine, die über die Vollzeit-Mamis da draußen die Nase gerümpft hat. Was machen die schon den ganzen Tag habe ich mich gefragt, kochen mittags ein paar Nudeln und schwingen ab und an den Staubsauger. Treffen sich mit den Nachbarinnen am Zaun oder auf dem Spielplatz und halten Kaffeeklatsch. Jawoll, so war ich drauf. Im hier und jetzt schäme ich mich unendlich dafür. Erst jetzt merke ich, was es wirklich bedeutet ein Kind großzuziehen, geschweige denn Zwei, Drei oder mehr. Ich habe mittlerweile großen Respekt vor all den Vollblut-Mamis da draußen, denn ich weiß nun, was für ein Knochenjob das ist. Und ich weiß, wie frustrierend es sein kann, nicht mal sein Tagesziel zu schaffen, weil der Kleine wieder stundenlang auf den Arm wollte und geweint hat. Ich weiß jetzt wie schwer es sein kann, seine eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen.
Natürlich werden jetzt einige sagen, dass man dafür mit all den wundervollen Momenten entschädigt wird und das stimmt. Jedes Lachen gibt einem neue Kraft, jedes Bussi lässt einen den Ärger und Frust vergessen, der einen vielleicht gerade noch begleitet hat und spätestens wenn die Kleinen friedlich in ihren Bettchen schlummern und dabei aussehen wie kleine Engel, weiß man wieder, für was man auch die harten Tage übersteht. Die Liebe zum eigenen Kind ist die stärkste und schönste Motivation.
Trotzdem darf man ab und an abends auf dem Sofa vor sich hergrummeln und mit sich und der Welt hadern. Danach heisst es wieder Schultern aufrecht, Kopf hoch und weiter geht´s.

In diesem Sinne auf einen neuen Tag und alles Liebe an die emsigen Mamis dieser Welt!

Bildquelle: fotolia/© Thodoris Tibilis

2 Comments

  • Helena

    Juli 28, 2016 at 1:09 pm

    Entschuldige, dass ich an einigen Stellen soooo lachen musste, obwohl es ja eher ein „Frustrations-Eintrag ist. Aber Ich fühle mit dir, denn ich glaub so geht es uns allen mal. Aber über Bügelwäsche, Makeup und tagsüber Haushalt erledigen kann ich mittlerweile auch nur noch lachen. In meiner Schwangerschaft dachte ich noch, wenn ich den ganzen Tag Zuhause bin, dann Putz ich erst, dann back ich selber ein frisches Brot und wenn Mann Zuhause ist, steht das Essen schon auf dem Tisch und der leckere Nachtisch wartet im Kühlschrank Witzig, gell! Haushalt wird bei uns nur noch am Wochenende gemacht, Wäsche nur noch zusammengelegt und gekocht wird, wenn Mann Abends das Kind bespaßt. Wenn ich mal einen schlechten Tag hab und die Nerven blank liegen (wir zahnen momentan übrigens, was die ganze Sache nicht leichter macht) , dann hilft mir der Gedanke, dankbar zu sein, ein gesundes süßes Baby zu haben. Familien mit kranken Kinder würden sich wünschen unsere Probleme zu haben. Achja, und das mit der „Phase“, ist ja alles ne Phase und wird bald besser Viele Grüße

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    • Denise

      Juli 28, 2016 at 10:57 pm

      Hi Helena! Lachen ist die beste Medizin 🙂 und es hilft auch zu wissen, dass man nicht die Einzige mit diesen „Problemen“ ist. Du hast absolut Recht, andere Mamas und Papas haben ganz andere Probleme vor der Brust. Eigentlich ist es völlig egal, wenn zuhause nicht alles perfekt ist – Hauptsache es sind alle gesund.
      Vielleicht ist es auch typisch Frau, wir wollen alles perfekt machen und allen Rollen zu 100% gerecht werden, ohne dabei auf unsere innere Stimme zu hören. Da wird lieber noch mitten in der Nacht der Abwasch gemacht, anstatt sich mal ordentlich auszuruhen. Den meisten Druck machen wir uns wahrscheinlich selbst.
      Alles Liebe und eine hoffentlich schmerzfreie Zeit mit den ersten Zähnchen!

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